Rütlischiessen  |  4. November 2015


Bechergewinner: Max Bosshard (81 Pkt.)


Am Rütlischiessen hat alles gepasst: das Wetter, die Atmosphäre und die Kulisse. Ein besonderer Hingucker war Francine Jordi, die gestern erstmals auf dem Rütli war.

 

Seine Wettkampf-Tipps gibt Kempf gerne dem Vereinsnachwuchs weiter. Doch gestern gab es nur vereinzelt ganz junge Teilnehmer, das Durchschnittsalter der Rütlischützen liegt ungefähr bei 50 Jahren. «Das Nachwuchsproblem ist unübersehbar» sagte Werner Staub (70), OK-Präsident des Rütlischiessens und Präsident der Stammsektion Obwalden. «Uri, Obwalden und die Luzerner schöpfen ihr Teilnehmerkontingent nicht mehr aus.» Kein Nachwuchsproblem hätten dagegen die anderen beiden Stammsektionen Nidwalden und Schwyz. Für Staub, der seit 1966 mit einer Ausnahme jedes Jahr am Rütli dabei war, liegt die Krux bei den Arbeitgebern: «Die jungen Schützen bekommen heute selten frei», sagte er. «Selbst die Armee erteilt mittlerweile Angehörigen fürs Rütlischiessen kaum Urlaub. Das finde ich bedauerlich.»

Vom Nachwuchsproblem der heutigen Stammsektionen profitieren dafür die Auswärtigen. 35 nichtständige Gastsektionen traten gestern auf dem Rütli an – laut OK-Präsident Staub ein Rekord. Marco Fluor, Präsident des Schützenvereins Bever GR, war einer der ¬Gäste. «Wir Engadiner sind froh, dabei zu sein», freute er sich. Das sei ein Privileg: «Als Schweizer hat das Rütli für mich eine grosse Bedeutung.» Angenehm sei auch die Art der Innerschweizer. «Ich erlebe die Einheimischen als ruhig, offen und gemütlich», so Fluor. «Man spürt, dass die Tradition einen hohen Stellenwert hat.»

 

Ehrengast wird belagert

Ein Highlight war der Besuch von Ehrengast Francine Jordi. Der Schlagerstar zog alle Blicke auf sich und wurde von Fans regelrecht belagert. Die Schützen kennen Jordi, und Jordi kennt die Schützen. «Mein Vater ist ein guter Schütze. Das hat abgefärbt», erzählte sie. Früher habe sie Kleinkaliber und Sturmgewehr geschossen. Auf dem ¬Rütli war sie aber noch nie, weder als Schützin noch sonst. Die Stimmung hier sage ihr aber zu, so Jordi.

Die Organisatoren zogen am Abend ein positives Fazit: Schwere Unfälle hatte es keine gegeben, Stimmung und Resultate konnten sich sehen lassen. Also ein rundum geglückter Tag vor der Postkartenkulisse.

Auf dem Rütli ist gestern ein Stück Schweizer Geschichte gelebt geworden. 1151 Schützen strömten aus allen Landesteilen auf die historische Wiese – zum 153. Rütlischiessen. Ein wolkenloser Himmel, ein tiefblauer Urnersee und schneebedeckte Berggipfel sorgten für eine Postkartenkulisse. Das wussten die Schützen zu feiern. Sie tranken Zielwasser (Schnaps), erzählten sich Geschichten und klopfen zwischendurch einen Jass. Einzelne Schützen waren aber auch ziemlich nervös, denn für die meisten Teilnehmer standen der Sport und ein gutes Resultat im Vordergrund.

 

Der Nachwuchs fehlt

Die sportliche Herausforderung war gross: Geschossen wurde kniend auf eine 300 Meter entfernte Scheibe. Probeschüsse gab es keine. In einer Minute feuerten die Schützen zuerst drei Schuss ab und dann in zweimal zwei Minuten je sechs Schuss. Dabei reihen sich 48 Schützen Schulter an Schulter aneinander. Eine risikobehaftete Situation, weshalb die Schützen während der Schussabgabe hoch konzentriert waren. Die Erleichterung nach einem geglückten Durchgang war dafür umso grösser: «Heute habe ich 81 Punkte geschossen, damit bin ich durchaus zufrieden», sagte Walti Kempf aus Bürglen. Der 45-Jährige schiesst für die Schützengesellschaft Spiringen und gilt als Routinier. Seit 2003 ist er regelmässig am Traditionsanlass dabei. «Entscheidend für ein gutes Resultat sind Position und Stellung», erklärte er. Da man wenig Platz habe und die Zeit knapp bemessen sei, würde es vor allem auf die ersten Treffer ankommen. «Sitzen diese, kann der Schütze die Position des Laufs beibehalten und hat so eine bessere ¬Chance auf weitere gute Treffer», so Kempf. Er meinte: Der strahlend blaue Himmel und das laue Lüftchen spielten den Schützen in die Karten. Regen, Schnee oder Föhn würden das Unterfangen erschweren.

 

Anian Heierli  |  Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung


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